Ausstellung: 7. – 29. August 2026
Eröffnung: 7. August 2026, 17:00 – 23:00 Uhr
Einführung: 17:00 – 18:30 Uhr
Performance Jeesoo Hong “Essbare Klangskulpturen”: 20.00 Uhr
Performance Maria Wildeis: 21:00 Uhr
Künstler:innen
Neonature • Chuan-Lun Wu • Kuei-Pi LI • Jeesoo Hong • Maria Wildeis
Forscher:innen
Angharad Davies • Nikita Infantcia Fernandes • Yipei Lee • Heather Noble • Martina Leone • Sharo Liang
Kurator:innen
Yipei Lee & Maria Wildeis

Während sich der Klimawandel beschleunigt, Ökosysteme sich weiter auflösen und geopolitische Spannungen die wachsende Fragilität globaler Infrastrukturen offenlegen, stellt die Ausstellung Fluid Kinship: Watershed, Foodscape, Human Tectonics eine scheinbar einfache, aber tiefgreifende Frage:
Was, wenn die Zukunft der Zivilisation nicht allein in technologischer Innovation liegt, sondern in der Rückkehr zum Fluss?
Die Ausstellung eröffnet am 7. August 2026 in Köln und läutet damit eine sich entwickelnde internationale Plattform für künstlerische Forschung und translokale Zusammenarbeit zwischen Europa und Asien ein. Statt Ökologie als darzustellendes Thema zu behandeln, begreift Fluid Kinship Wasser, Getreide, Landschaften und menschliche Gemeinschaften als aktiv Beteiligte, die einander gegenseitig formen. Durch zeitgenössische Kunst, wissenschaftliche Untersuchung und langfristige Feldforschung schlägt das Projekt vor, dass unsere Beziehung zum Planeten nicht allein eine der Fürsorge (Stewardship) ist, sondern eine der Verwandtschaft (Kinship).
Entwickelt von SUAVEART, entfaltet sich das Projekt durch Einladung und Zusammenarbeit statt entlang einer vorgegebenen Route. Beginnend in Köln werden zukünftige Präsentationen fortlaufend mit Partnerinstitutionen, Künstler:innen, Forscher:innen und Gemeinschaften in unterschiedlichen Regionen entstehen. Jeder Gastort trägt sein eigenes ökologisches Wissen, seine kulturellen Geschichten und künstlerischen Praktiken bei, wodurch sich das Projekt in Reaktion auf lokale Kontexte weiterentwickelt, statt als feste Ausstellung zu reisen.
Das Projekt bezieht sich auf das Konzept des Agential Realism der Philosophin Karen Barad: Der konzeptionelle Hintergrund der Ausstellung begreift Handlungsfähigkeit (Agency) als etwas, das durch Beziehungen erzeugt wird, statt von Einzelnen besessen zu werden. Flüsse, Getreide, Böden, Infrastrukturen, Technologien und lebende Körper werden als miteinander verwobene Kräfte verstanden, die gemeinsam Bedeutung hervorbringen. Besucher:innen sind daher nicht nur eingeladen, Kunstwerke zu betrachten, sondern dynamische Systeme zu betreten, in denen Bedeutung kollektiv durch materielle Begegnungen entsteht.
Für Kuratorin Yipei Lee beginnt die Ausstellung mit einer einfachen, aber tiefgreifenden Beobachtung: Der Rhythmus des Lebens war nie autonom. Getreide sei die Sprache, durch die Flüsse zu Zivilisation werden – jede Ernte trage die Bewegung, die Erinnerung des Wassers in sich, jedes Ritual erinnere an ein Wassereinzugsgebiet, und jede Landschaft bezeuge unzählige Beziehungen zwischen menschlichen und mehr-als-menschlichen Welten.
Köln markiert das erste Kapitel des Projekts. Geprägt vom Rhein und als eines der führenden Zentren zeitgenössischer Kunst in Europa anerkannt, bietet die Stadt einen Kontext, um Wasserinfrastrukturen, Migration, ökologisches Gedächtnis sowie die Beziehung zwischen Umweltveränderung und kulturellem Austausch zu erkunden.
Die Ausstellung versammelt Künstler:innen, deren Praxis zeitgenössische Kunst, Umweltforschung und spekulative Zukünfte miteinander verbindet. Neue Arbeiten von Wu Chuan-Lun und Kuei-Pi LI werden gemeinsam mit einer ortsspezifischen Workshop-Performance von Jeesoo Hong gezeigt, ergänzt durch VR-Arbeiten von Neonature sowie eine Live-Soundperformance von Maria Wildeis zur Eröffnung. Bereichert wird das Projekt zudem durch internationale Forschungsbeiträge von Angharad Davies, Nikita Infantcia Fernandes, Yipei Lee, Heather Noble, Martina Leone und Sharo Liang, deren Untersuchungen zu Flüssen, Ernährungssystemen, urbanen Ökologien und kulturellem Gedächtnis konzeptionelle Grundlagen für die Ausstellung liefern.
Zu den Höhepunkten zählen: Sponge City von Neonature, eine multimediale VR-Installation, die eine nahe Zukunftsmetropole imaginiert, die durch die Reparatur gestörter hydrologischer Kreisläufe erhalten wird; Cloud is nothing, Thirst is everything von Kuei-Pi LI, eine körperlich erfahrbare Auseinandersetzung mit dem unsichtbaren Wasserverbrauch, der Cloud-Computing und großen Sprachmodellen zugrunde liegt; Foodscape von Chuan-Lun Wu, eine Serie 3D-gedruckter Gefäße, inspiriert von Renaissance-Palissy-Keramik, die verschiedene asiatische Agrarlandschaften zusammenführt, um die Künstlichkeit und Datafizierung der Natur sowie das ressourcenbasierte Management von Wasser- und Ernährungssystemen zu hinterfragen; und die Edible Sound Sculptures von Jeesoo Hong, eine partizipative Performance, die Texturen und Klänge des Essens in einen kollektiven kompositorischen Akt verwandelt.
Statt Lösungen für die ökologische Krise vorzuschlagen, lädt Fluid Kinship das Publikum dazu ein, neu zu überdenken, wie Beziehungen zwischen menschlichen und mehr-als-menschlichen Welten durch Reziprozität, Fürsorge und geteilte Verantwortung fortlaufend entstehen. Während sich das Projekt über verschiedene Städte und neue Partnerschaften hinweg weiterentwickelt, versteht es Kuratieren als ökologische Praxis – nicht als Zurschaustellung von Wissen, sondern als Pflege von Beziehungen und Erweiterung von Perspektiven; nicht als Wiederholung fester Ergebnisse, sondern als fortlaufenden Prozess, der an jedem Ort neue Dialoge, Kooperationen und gemeinsames Lernen nährt.

Thema der Ausstellung ist das Wasser, wobei es weniger als romantisiertes Naturmotiv verstanden werden möchte, sondern als operative Kraft innerhalb komplexer ökologischer, sozialer und technologischer Systeme. Es ist ein physikalisches Medium, ein akustischer Resonanzraum, ein Träger von Geschichte.

FLUID KINSHIP wird wissenschaftlich begleitet durch das internationale Forschungsprojekt Edible Cities, Mobile Rivers . Der von SUAVEART initiierte Verbund aus Wissenschaftler:innen und Künstler:innen versammelt Gedanken darüber, wie Kulturlandschaften in Indien, Indonesien, Großbritannien, Italien, Iran und Taiwan, über unterschiedliche historische Epochen, geografische Räume und ethnokulturelle Kontexte hinweg, entstanden sind. Die Forschungsergebnisse (Texte) fließen in die Ausstellung mit ein.

Edible Cities, Mobile Rivers
Das forschungsorientierte Projekt ist ein neuer experimenteller Ansatz von SUAVEART. Aufbauend auf vorhandenen Ressourcen legt das Projekt den Schwerpunkt auf die Anliegen von sechs Forscher:innen – Stadt-, Architektur- und Kunsthistoriker sowie Kulturschaffende. Inhalt der Auseinandersetzung stellen die miteinander verflochtenen
Wandlungsprozesse von Getreide und hydrologischen Landschaften dar. Die Forschung entfaltet sich durch Feldforschung, Interviews, Literaturrecherche und schriftliche Arbeiten in Indien, Indonesien, Großbritannien, Italien, Iran und Taiwan – Regionen, deren Flüsse sowohl als Lebensadern als auch als spiritueller und kultureller Kern der Gesellschaft verstanden werden. Die Forschungsergebnisse (Texte) werden im Rahmen von FLUID KINSHIP präsentiert. Mit Angharad Davies, Heather Noble, Martina Leone, Nikita Infantcia Fernandes, Sharo Liang, Yipei Lee, Phylis, Maren und Andrea Izurieta.






FLUID KINSHIP seed
Gemeinde Köln, 7. – 29. August 2026
Kuei-Pi Lee Bildende Kunst
Neonature VR-Anwendung und Dokumentation Sponge City
Chuan-Lun Wu Bildende Kunst
Jeesoo Hong partizipative Performance
Inklusive Forschungsergebnisse aus dem Projekt Edible Cities, Mobile Rivers
Kurator:innen Yipei Lee, Maria Wildeis
Weitere Ausstellungsorte von FLUID KINSHIP (ab Oktober 2026, bestätigt)
– Bali, Indonesien, NARA (11 October, 2026 – 30 April, 2027)
– Goa, Indien, Living Waters Museum (June, 2026 – December 2027 (working period) (Initiative Goa Water Stories, Co-Curator: Wenceslaus Mendes, Artist: TBD)
– Lisbon, Portugal, NowHere (December 2026 – January 2027, Co-Curator: Lorena Tabares Salamanca, Artist: TBD)
– Madrid, Spanien, La Parceria (February 2027 – March 2027, Co-Curator: Lorena Tabares Salamanca, Artist: TBD)
– Website / Online, SUAVEART Website + Social Media aller Partner
Künstler:innen
Neonature • Chuan-Lun Wu • Kuei-Pi LI • Jeesoo Hong • Maria Wildeis
Forscher:innen
Angharad Davies • Nikita Infantcia Fernandes • Yipei Lee • Heather Noble • Martina Leone • Sharo Liang
Kurator:innen
Yipei Lee & Maria Wildeis
Über SUAVEART
SUAVEART ist eine forschungsbasierte kuratorische Institution, die Umweltthemen, nichtmenschliche Perspektiven und Inselökologien an den Schnittstellen von Kunst, Wissenschaft und Alltag erkundet. Entstanden aus langjährigem kulturellem Austausch, der 2008 in Südostasien begann, und 2015 formell in Taiwan gegründet, entwickelt SUAVEART transnationale Kooperationen durch Ausstellungen, Forschung, Künstler:innenresidenzen, Publikationen, Workshops und öffentliche Foren. Die Organisation ist Mitglied internationaler Initiativen wie Europa Nostra, dem Climate Heritage Network und dem Preserving Legacies Network und fördert damit den globalen Dialog zu Klimaresilienz, ökologischen Zukünften und kulturellem Erbe.
Über Gemeinde
Das besondere Anliegen des Ortes ist es, Kunst nicht nur im Format des Ausstellungsraums zu präsentieren. Das Ausstellen ist auch mit Kolonialismus verknüpft, in dem aus ihrer Umgebung isolierte Objekte als Trophäen in einem exklusiven Gebäude gezeigt wurden. Der Raum sucht nach alternativen Wegen und konzentriert sich auf eine Kunst, die als Vermittlerin von Wissen neue Perspektiven auf unsere Gesellschaft eröffnet und als gemeinsames Ritual praktiziert werden kann. Gemeinde Köln interessiert sich dafür, die Motivation und die individuellen Themen der eingeladenen Personen kennenzulernen.
Der Kunstraum befindet sich am Ebertplatz in der Kölner Innenstadt, Nordrhein-Westfalen, in einer unterirdischen Passage nahe eines U-Bahn-Zugangs. Die Passage ist Teil des größten öffentlichen Raums der Stadt, mit einem Brunnen (kinetische Skulptur) in der Mitte und einer Bar.
Diese Ausstellung wird durch das Kulturamt der Stadt Köln unterstützt.
