Donja Nasseri & George Demir, Futures of past imaginations

16.10. – 8.11.2020
Eröffnung: Freitag 16. Oktober 2020, 19 Uhr

In der Ausstellung Futures of past imaginations präsentieren Donja Nasseri und George Demir zwei neue individuelle Multimedia-Kunstwerke, die sich auf die Verhandlungen zwischen Subjektkonstruktion und -darstellung konzentrieren. Die stetige Aushandlung des Selbst ist nicht nur ein innerer Konflikt, sondern ein ständiger Umgang mit externen Eindrücken.

Über die Neukontextualisierung von popkulturellen Referenzen, Bildern aus dem Zeitalter der Aufklärung sowie Symbole des alten Ägyptens erforschen die Künstler*innen Ein- und Ausschlussmechanismen. Verstecke deine Vergangenheit, schütze deine Zukunft. Was sind die Konsequenzen des Verbergens der eigenen Vorgeschichte, um akzeptiert zu werden?










My nose is She (who presides over her lotus-leaf) Part I
Donja Nasseri, 2020, Mixed-Media-Installation mit Video 5:00 min.
Die Künstlerin beschäftige sich mit einer bestimmten Figur aus der Altägyptischen Geschichte, die Königin Hatshepsut, die vor über 3500 Jahre sich zum Pharao ernannt hat. Sie analysiert Hatshepsuts Rolle als Frau in dieser Zeit und ihre Ausdrucksformen. Anhand von Figuren und Zeichnungen wird ersichtlich, dass Hatshepsut sich als Mann dargestellt hat; männliche Kleidung, angeklebter Bart und die komplette Reduzierung von weiblichen Formen wie gestaltete Brüste. Das Gesicht bleibt jedoch Ihres.

One of Them
George Demir, 2020, Mixed-Media-Installation mit 2-Kanäle Videoarbeit 10:42 min.
Die Arbeit fokussiert die popkulturelle Repräsentation und Verhandlung des Phänomens des Passing („to pass for“ oder „to pass as“) in Film, Literatur und Social Media Plattformen. Das Material, u.A. Videos und Zitate, zusammengesetzt aus Sketches des amerikanischen Fernsehformat „Saturday Night Live“, dem Roman „Passing“ von Nella Larsen, dem Film „Imitation of Life“ oder YouTube-Tutorials, dient als Grundlage um den vielschichtigen Zustand der Betrofenen widerzuspiegeln. Diesen popkulturellen Referenzen werden Darstellungen des Zeitalters der Aufklärung in Europa und Nordamerika entgegengesetzt. Das Aufkommen von Biometrie im 18. Jahrhundert und der damit einhergehenden Vermessung und Kategorisierung von Menschen waren Wegbereiter für rassifzierende und koloniale Strukturen, die binäre Menschensysteme wissenschaftlich zu belegen versuchten. Diese Mechanismen reichen weit bis in unsere Gegenwart und definieren auch heute noch welche Personen wie und wo mehrheitsgesellschaftlich eingeordnet werden und begünstigen so die Notwendigkeit zu Passen.





Iconoclasm – Iconodulism
George Demir, 2015, 3 vergoldete Objekten und Vitrine
Die Serie “Iconoclasm – Iconodulism“ besteht aus vergoldeten Objekten, die im Duktus buddhistischer und hinduistischer Ikonenverehrung, mit goldenem Schlagmetall beschichtet werden, so dass das zugrunde liegende Objekt als solches nicht mehr erkenntlich ist. Während durch die Technik des Vergoldens bis zur Deformation eine Variation des Ikonoklasmus aus der Verehrung heraus entsteht, entsprechen die unter den Schichten von Gold befindlichen Objekte Idole, Totems und Fetischen unter- schiedlicher Gruppierungen.

Scarabs do not stand as witnesses against me
Donja Nasseri, 2020, 2 Fotodrucke 40x30cm

My nose is She (who presides over her lotus-leaf) Part II
Donja Nasseri, 2020, Tonarbeit 3:28 min.
My hair is Nun; my face is Re; my eyes are Hathor; my ears are Wepwawet; my nose is She who presides over her lotus-leaf; my lips are Anubis; my molars are Selket; my incisors are Isis the goddess; my arms are the Ram, the Lord of Mendes; my breast is Neith, Lady of Sais; my back is Seth; my phallus is Osiris; my muscles are the Lords of Kheraha; my chest is He who is greatly majestic; my belly and my spine are Sekhmet; my buttocks are the Eye of Horus; my thighs and my calves are Nut; my feet are Ptah; my fingers are Orion; my toes are living uraei; there is no member of mine devoid of a god, and Thoth is the protection of all my flesh.

Donja Nasseri (*1990 Düsseldorf)
Seit 2016 Studium an der Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. Gregor Schneider
Seit 2015 Studium an der Kunstakademie Münster bei Prof. Mariana Castillo Deball
2011-2015: TU- Dortmund, BA Arts
2012–2013: Mimar Sinan Sanatlar Akademie Istanbul, Photography
www.donjanasseri.de

George Demir (*1990 Köln)
Seit 2019 Masterstudium an der Universität der Künste (Berlin), Art in Context
2013–2019 Studium an der Kunsthochschule für Medien Köln
www.georgedemir.com

Kuratiert von Agustina Andreoletti

Förderung
Kulturamt der Stadt Köln
NRW Kultursekretariat
Kunststiftung NRW

Fotos
Thomas Lambertz